Gleich mal wieder ein erfrischendes Moin Moin aus dem wunderschönen Kanada!

Die Sonne geht langsam unter und wir warten, dass Georg mit Grillfleisch aus der Stadt zurückkommt. Also Zeit zum Schreiben. Es ist inzwischen nämlich einiges passiert, wir waren sogar segeln!

Samstag, 7.9.13
Wir wachen nach einer langen Nacht auf unserem Balkon in unserem kleinen Apartment davon auf, dass der Regen auf das Dach trommelt. Am Abend vorher war ein großes Charity Dinner am Club und jeder, der eine Zigarette rauchen wollte oder einfach ein wenig Ruhe vor der Masse gesucht hat, kam zu uns auf unseren Balkon. Später brachten die Leute auch Bier und Rum mit. Während das Clubhaus sehr schick und offiziell gehalten ist, mit Eichenparkett, Samtvorhängen, Ölbildern und viel Silberware, ist unser "Annex" mehr der kleine Anarchische Teil des Clubs. Wir sind also genau, wo wir hingehören.
Wir sind also etwas unmotiviert zum Aufstehen, bis wir merken, das es draußen mit guten 20 Knoten drückt. Passt ja wunderbar, dass wir gestern grade das Boot aufgebaut haben. Also gefrühstückt, Neo an und dem Regen getrotzt; Raus aufs Wasser! Wir sind das erste Boot, das rausgeht und im Binnenbereich, bevor es auf den See raus geht ist noch alles nett. Man muss dann durch eine Art Hafenausfahrt mit kreativ drehenden Winden und kommt so raus auf den Lake Ontario. (Der den Namen Great Lake wirklich verdient hat, man kann nur das Land sehen von dem man gekommen ist.)
Draußen fällt uns als erstes auf, dass eine Mörderwelle steht. an der Kreuz geht es noch, man muss sich nur sehr gut auf dem bockenden und stampfenden Boot festhalten. Das funktioniert noch einigermaßen.
Downwind sieht die Sache allerdings ganz anders aus: Einige Wellen sind gar nicht so hoch, allerdings überlagern sich mehrere Wellensysteme, sodass zwischendurch immer mal ein 2m-2,5m Brecher dazwischen ist (auf einem See!!!), die auch noch verdammt stel sind. In diesen Wellen sticht der Bug ins Wasser und das Boot wird dermaßen abgebremst, das man kaum eine Chance hat auf dem Rack stehen zu bleiben.  Wir hatten einige, deren Kamm auf Höhe des Baums einfach über das Boot gerollt sind und einem die Füße weggespült haben. Dann hat das Boot komplett angehalten und man muss es mit weit offenem Spi wieder vorsichtig beschleunigen. Daszu kam noch, das der Wellenwinkel nicht wirklich zum Windwinkel passt.
Wir schaffen es, mit nur einer Kenterung 3 Up & Downs zu trainieren. Wir fallen um, nachdem wir schon mit der Halse fertig sind, aber statt anzufahren wieder von der Welle rumgedrückt und zurückgehalst werden.
Selbst Katie beschreibt die Bedingungen zurück an Land als schwierig. Wenn die Rennbedingungen ähnlich sind, wird das noch interessant. Vorallem war gar nicht mal soviel Wind, später ging er noch massiv zurück, was die Wellen aber nicht wirklich erträglicher macht.
Spät Abends kommt die erste Rutsche Verstärkung für Team Germany, genauer Eike, Georg, Olli und Per (Blohm & Voss).

Sonntag, 8.9.13
Diese Mail wird schon wieder viel zu lang, ich versuche mal, meine Erzählung ein wenig zu straffen. Heute war wieder schönstes Kanadisches Sommerwetter, und zu Anfang auch noch netter Wind. Also raus aufs Wasser und ab nach draußen auf den großen See. Drinnen war wie gestern alles gut, doch als wir rauskamen wurde es flauer und flauer. Wir haben viel nach dem Wind gesucht, aber keinen gefunden. Dafür viele Löcher, dreher, Böen, die man allerdings auf dem Wasser nicht wirklich erkennen kann. Es sieht alles gleich und konstant aus. Ist es aber nicht. Also wird uns langweilig. Wir versuchen erst ein bisschen mit Douglas Pattison (Prince of Wales Cup Gewinner 2013) zu matchen, das klappt für eine Weile sogar ein bisschen, aber irgendwie fährt er durch Windlöcher durch in denen wir einparken. Muss ihn fragen, wie er das macht.
Wir beschließen, da wir schon sehr weit die Insel entlanggesegelt sind, ein bisschen Sightseeing zu betreiben und einmal um die Inselkette zu segeln. Das ist zwar auch erstmal nur mäßig spannend und der Wind wird immer schlechter, aber den ganzen Weg zurück zu fahren wirkt auch nicht einladend.
Die letzte Insel ist "Airport Island" und davor liegt eine Bojenkette, auf der bei näherem Hinsehen steht, dass sich Boote freihalten sollen, weil hier Flugzeuge tief einfliegen, liest Eike vor. Ich: "Solche FLugzeuge wie das da?" Durch unser Großsegelfenster sehen wir auf Augenhöhe einen Düsenjet einfliegen, der Sekunden später knapp über unsere Köpfe hinwegdonnert. SEHR tief! Erklär mal der Vollkasko und vorallem der Haftpficht (Für das Flugzeug) das uns ein Passagierflugzeug die Vorfahrt genommen hat. Der Rest unseres kleinen "Round the Island" endet in sterbendem Wind und wird sehr lang.
Wir beschließen, dass wir uns eher die Bedingungen von gestern wüschen als die von heute, sonst könnte die WM Platzierungstechnisch ein Desaster werden. Es erklärt auch, warum es hier noch ein Weibliches 14 Team gibt, dass scheinbar aus 2 ca 16 Jährigen sehr dünnen Mädels besteht.
Wenn wir wirklich in diesen Bedingungen Regattasegeln müssen, wird das für uns sehr Anspruchsvoll.
Außerdem war heute noch Vermessung für die Team WM, und unser Boot ist problemlos durch. Wenigstens etwas. Außerdem ist das Wetter warm und schön.
Jetzt schreibe ich schon 45 min und das Grillfleisch ist immernoch nicht da. Mit Rücksicht auf eure Geduld höre ich jetzt aber trotzdem auf zu schreiben.

Gruß
Jan Martin

PS: Mein  Foto heute zeigt, wie 14s ohne Container auf die Insel kommen, im Schlepp vom Motorboot. Man beachte die Slipwagen!

 

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