So, nachdem ich gestern wegen Müdigkeit ausgesetzt habe, hier die Ereignisse der letzten beiden Tage:

Samstag, 14.09.13
Heute solls losgehen. Nachdem gestern das Practice Race bitterkalt und windig war, ist es jetzt etwas weniger bitterkalt und leider auch etwas weniger windig. Genau genommen, stehen 67 angetretene 14s ca 300m nach dem Slippen in der totalen Flaute und rühren sich nicht von der Stelle. Absolute Alptraumbedingungen für uns. Die Kanadier fangen also an, große Trauben an Booten raus durch den Kanal auf den See zu schleppen. Wir zweifeln ein bisschen am Sinn des ganzen. Wenn auf der einen Seite einer absolut flachen Insel kein Wind ist, kann doch auf der anderen auch keiner sein! Ist aber. Recht viel sogar. Schöner Doppelsteher, Schwert hoch, sogar einiges an Druck aus den Segeln trimmen, und los geht´s zum ersten Start. Der Start ist eine Katastrophe, wir enden hinter dem gesamten Feld, kommen nicht los, haben nur Abwinde. Zum Glück Gesamtrückruf, neuer Versuch.

Der zweite klappt besser, wir starten in vorderer Reihe, mit Speed an der Linie und kommen super los. Leider Gesamtrückruf, neuer Versuch, jetzt mit Black Flag (Frühstarter müssen nicht noch einmal starten, sondern werden direkt disqualifiziert). Start ist die absolute Katastrophe, wir enden hinter dem gesamten Feld, kommen nicht los, haben nur Abwinde. Zum Glück Gesamtrückruf, neuer Versuch. Der 4. Start, nochmal mit Black Flag gelingt endlich. Wir kommen ganz gut los, müssen aber auf die rechte Seite rüberwenden. Haben fast einen Crash mit Tobi, halten uns aber bis zur Luvtonne im vorderen Hauptfeld. Etwa 10 Boote können sich nach vorne absetzen, Eike und Georg gehen als 2. um die Luvtonne, bekommen aber einen Protest von Archie und müssen kringeln. Olli und Per sind auch ganz vorne mit dabei. Wir fahren schnell auf den Vorwindkursen, aber an der Kreuz fehlt es uns etwas an Speed. Wir kämpfen gegen 2 Bieker 6, The Hoff und 2 australische Teams, mit denen wir uns regelmäßig Positionswechsel liefern. Obwohl das Feld inzwischen weit auseinandergezoge ist, werden auch kleine Fehler sofort mit verlorenen Plätzen bestraft. Die Gegner schlafen nicht, und nach vorne wollen alle. Wir können besonders auf dem Dreieck punkten, beim Kreuzen leider weniger. Zu unserem Unglück endet die Wettfahrt mit einer sehr langen Zielkreuz, das Ziel liegt noch über der Luvmarke. Zusätzlich flaut auch noch der Wind ab und wir bekommen das Boot nicht genug auf Druck, sodass wir noch 3 Boote verlieren. Trotzdem bleibt uns ein sehr guter 26. Platz. Eike und Georg stehen auf 10, Sven und Tobi hinter uns auf 30. Richtig Pech hatten Olli und Per, die zwar einen 7. Platz gesegelt sind, aber schon beim ersten Black FLag Versuch disqualifiziert wurden. Damit hätten sie am nächsten Start nicht mehr teilnehmen dürfen und fangen sich somit ein DNE ein, eine nicht streichbare volle Punktzahl. Von diesen DNEs gibt es noch mindestens 2 weitere. Eine ganz schön harte Entscheidung der Wettfahrtleitung und wohl das Ende der Top Ten Hoffnungen von Olli und Per. Abends grillen Eike und ich mit den Briten, nehmen dann noch ein Bier an der Bar mit den Aussies und gehen früh schlafen, immerhin ist morgen mehr Wind angesagt.

Hier noch das Video vom Tag

Sonntag, 15.09.13
Von wegen mehr Wind. Am Anfang haben wir draußen noch grade so einen Doppelsteher, aber es flaut immer weiter ab. Wir brauchen geschlagene 90 min vom Slip zum Startboot, obwohl der Kurs nicht ganz soweit draußen liegt wie gestern. Wir verkacken den ersten Start wieder vollständig und kleben in den Abwinden der ganzen Flotte, kommen nicht vernünftig los und warten auf den Rückruf. Und warten. Kucken nochmal. Kein Rückruf? Wer rechnet denn schon damit, dass auf einer 14 WM ein Start beim ersten Mal gelingt?? Also, Schadensbegrenzung und hinterher. Wind ist nicht doll, aber wir fahren einen ordentlichen Kreuzspeed und haben an der Luvtonne wieder 20 Boote geholt. Dann kommt der Downwind und wir kriegen die Kiste einfach nicht schnell. Fährt einfach nicht. (Merkt ihr was? Genau andersrum als gestern) Wir lassen wieder viel zu viele Boote durch. So geht es weiter: An der Kreuz ein paar Boote holen, auf dem Vorwind wieder durchlassen. Nur das die Motivationskurve an Bord genau wie der Wind immer weiter gegen Null tendiert. Nach 2 Stunden Segeln, in einem Rennen das auf anderthalbstunden ausgelegt ist, kommt irgendwann die Frage: "Was könnte jetzt noch schlimmer kommen?" 3 Minuten später fängt es an zu regnen. Zum Glück hat die Wettfahrtleitung ein Einsehen und verkürzt die Bahn um die letzte Kreuz. Zum Glück brauchen wir nur noch 90 min zurück in den Hafen. Die Motivation an Bord pendelt zwischen Galgenhumor und Kotzkrampf. Am Ende steht für uns ein schlechter Platz 50 und der Rückblick auf DEN schlechtesten Segeltag der Saison. Das darf nicht wieder passieren, wenn wir hier noch irgendwas reißen wollen.
Eike und Georg dagegen haben abgeliefert und einen 7. gefahren. Zusammen mit ihrem 10. von gestern liegen sie damit auf Platz 8. Wir sind auf Pkatz 36 abgestürzt, Olli hat auch nur einen 31. heute vorzuweisen.
Insgesamt kein glorreicher Tag für uns. Die Teams, die fröhlich durch den Hafen laufen sind andere. Und Tobi und Sven. Aber diesen Teams geht man heute besser aus dem Weg. Natürlich sind auch Freibier und Essen schon ziemlich zu Ende als wir an Land kommen. Außerdem hat Oracle gerade das erste Americas Cup Rennen heute gewonnen. Gehts noch schlimmer? Im Regen bauen wir das Boot ab und gehen duschen.
Kann ja nur besser werden morgen.

Hier noch das Endergebnis:
Ergebnisliste

Gruß
Jan Martin

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