Die jährliche Auswertung der Logbücher unserer RUNÖ  2016 - 2018 von Tim Ullner

Das Logbuch der Runö 2018

Ich habe die Logbücher gelesen. Eine schöne Lektüre wenn nach den Stillen Tagen so langsam wieder Ruhe einkehrt. Viele haben ja die Angewohnheit zum Ende des Jahres hin noch einmal zurück zu blicken. Dafür eignen sich die schwarzen Bücher der Runö gut, denn dort sind echte Highlights der Saison verewigt.

Die 140ste Saison der BSV begann auf der Runö am 4 Mai mit bestem Wetter. Gleich darauf ging es mit 2-3 Bft unter Spi nach Kiel zum Nord-Ostsee-Kanal. "Das ist hoffentlich nur der Vorbote zum Sommer" wurde bei 21°C, in Begleitung einiger Schweinswale, ins Logbuch geschrieben. Wie sehr diesem Wunsch eines Skippers stattgegeben wurde wissen wir inzwischen. Das Wort "Jahrhundertsommer" war oft in den Zeitungen zu lesen. So konnte die Segelzeit unter Spi von 5% in 2017 auf 8% erhöht werden. 

Durch die ganze Saison ziehen sich Eintragungen, die die Geschwindigkeit unserer Runö loben. So wurde einmal die durch die schnelle Reise gewonnene Zeit genutzt, um Hafenmanöver zu üben. Das bietet sich an, denn dann sind die Häfen auch noch nicht so voll, wie ein anderer feststellt. Ein anderer Logbuchführer notiert, dass man morgens ja in Ruhe ausgedehnt und gemütlich frühstücken kann, da man die Frühaufsteher ja sowieso später wieder überholt. Und dann kann man im noch leeren Hafen eben Manöver üben…s.o. Ein anderer Eintrag lautet: "Logge 11 Kn, Mittelwert 8,3 inkl. an- & ablegen". Eine Crew schreibt nicht viel, sondern segelt einfach in 3 Tagen rund Fünen. Natürlich nicht ohne dabei die ausgedehnte Nachtruhe im Hafen zu vernachlässigen.

In dieser Saison hat die Runö ein neues Gewässer kennen gelernt. Logbucheintrag der Überführungscrew: "Auch auf der Elbe sind wir die Schnellsten". Es war unser erster Auftritt auf dem Hamburger Hafengeburtstag ("In Hamburg einlaufen ist immer wieder eine Wucht!"). Dort konnte die Runö zeigen, dass sie auch Ballett tanzen kann. Viele Balten und Gäste von nah und fern nutzten die Chance sich die Elbphilharmonie einmal vom Deck der Runö aus anzusehen. Darüber hinaus hat es Vorteile eine Koje direkt in der City von Hamburg zu haben, wenn man den Hafengeburtstag richtig mitfeiert. Die Organisatoren, der Moderator sowie der Hamburger Segler-Verband haben sich persönlich an Bord eingefunden und sich für die Teilnahme bedankt: "Die Runö ist eine Bereicherung für den Hafengeburtstag!". Ein resignierter Eintrag im Logbuch zeigt allerdings, dass man eben in einer Stadt ist. "Barkassenkapitäne sind das Hafenäquivalent zu Taxifahrern". Es ist aber alles gut gegangen. 

Wir waren nicht nur auf diesem Hafenfest. Auch die 50-Jahrfeier in Kerteminde, die Hansesail in Rostock und die Hai-Kutter-Regatta in Nysted wurden besucht. Ob da auch Ballett gefahren wurde ist leider nicht dokumentiert. 2 neue Jugendcrews haben die Runö von der Bilge bis zur Mastspitze (passen wir unter der Brücke durch?) erforscht und für sich entdeckt. Einmal wurden gleich alle Register gezogen und eine lange dänische Insel umrundet. Spinnaker und Genaker wurden gesetzt und… (wir sind nicht überrascht) …die anderen Boote alle überholt. Ein Spi Manöver musste allerdings unterbrochen werden. Schweinswale begrüßten die neuen Seesegler und diese grüßten zurück. Man muss eben Prioritäten setzen. Ein anderes Mal kam die Feuertaufe gleich mit erheblich mehr Wind. Statt der angesagten 5-6 Bft zeigte das Anemometer plötzlich 41 Knoten! (NB: ab 42 Kn spricht man von 9 Bft!). Zum Glück war man schon kurz vor dem Hafen und der vorausschauende Skipper hatte die Segel schon bergen lassen. Die Aufgaben bestimmter Rollen sowie die Kommunikation müssen sich allerdings noch etwas einspielen. Als der Skipper einen Schooner auf Kollisionskurs entdeckt, fragt er, ob weder Rudergänger noch Ausguck ihn gesehen hätten. Die Antwort ist dokumentiert: "Wir haben ihn schon gesehen und hatten auch schon einiges an Ideen zu Ausweichmanövern, aber wir sollten doch 140° fahren". 

Zum Schluss schreiben die jungen Leute: "Wir hatten eine lehrreiche und schöne Zeit". Ich vermute und hoffe, dass sie in der nächsten Saison wieder an Bord sein werden. Auch wenn die gerefft gesegelte Zeit mit 18% der gesamten gesegelten Zeit im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert ist, so wird doch viel von Tagen mit wenig Wind berichtet. 

Man segelt nach Windfeldern, "wie auf dem Wannsee". Und wenn das auch nicht mehr geht, dann nutzt man die Zwangspause zum Baden, "zum Glück gibt es einen Ball an Bord" und "Spifall ist eine prima Schaukel". Skipper gehen dann gern einer traditionellen Tätigkeit nach: Wasserpass putzen, besonders, wenn es zu einem Hafenfest geht. Der schwache Wind hat allerdings auch Nachteile, so fiel eines Tages das geplante Dessert aus, da der Eisladen schon geschlossen hatte. Keine Sorge: An einem der nächsten Tage war wieder Wind und sie konnten ein doppeltes Eis genießen. Langweilig wurde es trotz Schwachwind selten. Die Dänen lassen sich da schon etwas einfallen. Im Großen Belt konnte eine Crew ein Hubschraubermanöver beobachten. Ein Mensch wurde auf einen sich in voller Fahrt befindlichen Frachter abgewinscht. Andere versuchten bei gutem Wind selbst ein ähnliches Manöver mit einer Drohne, von der sie zuvor wunderbare Aufnahmen unserer Runö unter Spinnaker gemacht haben. Meines Wissens sind beide anspruchsvollen Manöver fehlerfrei gelungen.

Es gab auch Wind in diesem Jahr. Eine Crew nutzte den Starkwind am Ankunftstag um den bevorstehenden Törn noch genauer zu planen, den Strand zu besuchen und anderen Schiffen beim Anlegen zu helfen. Das findet man in den großen und beliebten/belebten Häfen leider immer seltener. Und das obwohl es offensichtlich en vogue ist 46 Fuß als Ehepaar allein über die See zu navigieren. Dieses im Logbuch erwähnte Paar war jedenfalls sehr froh über die Hilfe der Runöcrew. Und vielleicht wurden ja unserem Boot dadurch auch einige fremdverschuldete Schrammen erspart. Ein anderes Mal fegte eine Front über die sicher im Hafen liegende Runö und sorgte für 30° Krängung. Gleichzeitig war der Hamburger Hbf wegen Sturmes gesperrt, wie ein früher abgereistes Crewmitglied berichtete. Die Windgeschwindigkeit wurde im Logbuch leider nicht dokumentiert, aber Kiel Leuchtturm registrierte 11 Bft.

Die Logbuchführung insgesamt war in dieser Saison erfreulich gut. Alle haben das Buch leserlich und fast alle vollständig ausgefüllt. Die Sicherheitseinweisung zu dokumentieren ist inzwischen üblich. Die Notfallrolle hingegen ist noch selten… Zum Teil wird das Buch minutiös mit jeder Wende geführt - allerdings dann der Standort nur morgens und abends angegeben. Für die Statistik musste ich dann nur noch ein paar Distanzen und Zeiten schätzen. 

Es gab ein paar kleinere, ungewollte Berührungen mit anderen Booten oder dem Grund, bei denen aber nichts Schlimmes passiert ist. Einmal hat man gleich danach vorbildlich die Daten der Versicherungsscheine ausgetauscht, doch leider nicht im Logbuch dokumentiert. Bei anderen ist der Spi am Kopf abgerissen. Er wurde zum Segelmacher gebracht und die nächste Crew hat ihn dort repariert wieder abgeholt. Ich freue mich, dass wir offensichtlich niemanden in unserer Gemeinschaft haben, der meint etwas verheimlichen zu müssen. Jedem kann mal etwas passieren. Dafür sind wir versichert. Und die anderen auch.

Auch in diesem Jahr hat die WaSchPo wieder umfangreich kontrolliert. Einmal war es im NOK. Da ist es ganz einfach, denn man ist ja quasi gefangen. Es gab aber keine Beanstandungen, alle Schiffspapiere und Scheine waren vorhanden.

Der Wetterbericht, oder besser die Wetterberichte - denn es gibt ja viele dieser Tage - war nicht immer zuverlässig. Eine Crew allerdings hat ihm geglaubt und ist damit sehr gut gefahren. Sie sind extra früh gestartet um den Zielhafen rechtzeitig zu erreichen. Als die ersten kräftigen Böen loslegten, wurden die Leinen der Runö gerade über die Poller gelegt. So ließ sich das Orgelkonzert der Riggs im Hafen, zufrieden mit der Entscheidung früh zu segeln, genießen. Zu anderer Zeit fehlte der angesagte Wind aber schon mal, und man verkürzte die Tagesetappe, da man "keine Lust in der Wärme zu motoren" hatte.

Übung ist das halbe Leben. Und auf See vielleicht sogar noch mehr. Es hat sich immer bewährt vor dem Auslaufen und am Anfang einer Reise Zeit darauf zu verwenden. So konnte einer eingespielten Crew die plötzliche und erwartete Zunahme des Windes von 4 auf 6 Bft. nichts anhaben. Kurz mal gerefft und alles war gut. Andere haben Entdeckungen gemacht:

"Reffen bring Ruhe ins Schiff, bei gleicher Fahrt". Oder: "Auch nur unter Fock kreuzt die Runö sehr gut, 6 Bft, 7 kn FdW". Es ist aber auch keine Schande die orangenen Segel auszupacken. Und sei es nur zur Übung. Ein anderes Mal ging ein Fender über Bord aber nach dem sofort eingeleiteten Boje-über-Bord Manöver war er gerettet. Was lehrt uns das? Wer keine Knoten übt, der muss Manöver üben? Bei einer Mütze hat es trotz eifrigen Übens leider nicht gereicht. Es muss nicht immer alles nach Lehrbuch gehen, wie es folgender Eintrag vermuten lässt: "Fest in … nach einem wundervollen Chaosanleger"

Es gab auch Dinge, die unterwegs gerichtet werden mussten. Meist waren es die Seeventile, daher wird das auch ein wichtiger Punkt für die Winterarbeit. Eine Crew wunderte sich über das schwer zu rollende Vorsegel. Tauschen der Fallen brachte Abhilfe. Einmal war die Starterbatterie nach 17 Stunden segeln leer. Die Motorelektrik zieht also doch Strom, wenn man die "Zündung" nicht ausschaltet. Da ist es gut, wenn man den Anleger auch unter Segeln beherrscht. Die älteren Jugendlichen üben es auch schon. Aber es kommen auch wieder neue Starthilfekabel an Bord. Wie eine Crew feststellen konnte, dass das Abpumpen des Klos "auch die Verstopfung der Vorcrew" lösen konnte ist leider nicht dokumentiert. Es gab in diesem Jahr leider auch 2 kleine Verletzungen an Bord. Einmal war beim Segel bergen die Hand des Skippers betroffen. Er war aber so vorausschauend, das in einer großen Stadt mit allen Versorgungsmöglichkeiten, zu tun. Zur Beruhigung: Der dänische Arzt diagnostizierte nur eine Verstauchung. Bei der zweiten Begebenheit wurde auf einer ruppigen Kreuz etwas unter Deck repariert. Eintrag: "2 Füße durch Werkzeugkoffer beschädigt. Man sollte schon darauf achten, dass der andere ihn auch hat".

Manchmal kann man die Stimmung an Bord beim Lesen geradezu spüren. Der knappe Eintrag auf einem Herbsttörn, abends, nach 11 Stunden auf See fest im Hafen vertäut, lautet: "Heizung läuft, Curry-Zeit J"

Großes Lob erhielt unser neues AIS. Nicht nur von den Seglern, die z.B. dadurch die Querung des Kiel-Ostsee-Weges viel besser einschätzen konnten, sondern auch von den daheim gebliebenen, die nun die Route verfolgen konnten.

Im Sommer scheint es inzwischen gut zu sein, wenn man telefonisch einen Platz im Hafen reserviert - zumindest für die viel genutzten Häfen. Fährt man abseits der großen Routen, dann ist alles wie früher: Freie Plätze, nette, hilfsbereite Leute, kostenlose Fahrräder am Hafen und Eiskugeln werden hier noch großzügiger gezählt.

2 mal wurde geschnuppert, d.h. die Runö bekam neue Gesichter zu sehen. Besonders freut mich, dass solche Veranstaltungen Gruppen übergreifend stattfinden. So lernt man auch Menschen kennen, die vielleicht schon jahrelang im selben Verein sind, die man aber noch nie getroffen hat.

Es wurde ein ehemaliger Nutzer der Runö getroffen, der "aber nur Dornfelder aus dem Kanister hatte". Gibt es einen Zusammenhang zwischen "ehemalig" und "Dornfelder"…?

Nicht vergessen wurde auch unser ständiger Auftrag als Botschafter des Baltikums. So wurde die Crew eines Nachbarschiffes, alles Nicht-Balten, in die Sakuska eingeführt. Man ist ja "typenoffen". Eine Ukulele an Bord sorgt für gute Stimmung.

Abschließend noch etwas Statistik: 2741 sm wurden auf 16 Reisen von 90 Menschen + 1 Meise in 84 Tagen zurückgelegt, 82% davon segelnd. Dabei wurden 45 verschiedene Häfen angelaufen. Am schnellsten Tag der Saison erreichte die Runö eine mittlere Geschwindigkeit von 8,7 Kn. Das mittlere Tagesmittel lag bei 5,3 Kn. Im Schnitt verbrachten die Crews 5,8 Std pro Tag auf See.

Tim Ullner

 

Das Logbuch der Runö 2017

Auch in diesem Jahr wurden wieder 3 Logbücher mit nautischen Daten gefüllt. Erfreulicherweise setzte sich der Trend fort auch weniger nautische, mehr persönliche Daten in den Logbüchern zu verewigen, insbesondere Zeichnungen wurden gern genommen. Und verewigen ist dabei wörtlich gemeint. Das von uns verwendete Speichermedium "Build-in orderly organised knowledge", kurz "BOOK" ist voraussichtlich auch in hunderten von Jahren noch lesbar (https://ecee.colorado.edu/~bart/book/book.htm) – im Gegensatz zu auf CD gesicherten Daten, die nach einigen Jahren bereits nicht mehr lesbar sind. Alle erhaltenen Logbücher unserer Yachten liegen im Bull'n zum Schmökern aus. Das einzige Lesegerät, das dafür möglicherweise benötigt wird, ist eine Brille.

Fast hätte sich die Auswertung der Reisen 2017 beträchtlich verzögert, denn als ich am Ende unserer Saison das restliche Liegegeld in Burgtiefe bezahlte, ließ ich die 3 Bücher beim Hafenmeister liegen. Es war kurz vor Feierabend und schon zu der Zeit im Jahr, in der Hafenmeister auch mal in den Urlaub fahren dürfen. Beim traditionellen Einkehren auf dem Heimweg (A1, AS Oldenburg Mitte) klingelte das Telephon. Also fuhr ich noch mal kurz zurück auf die Insel, um die Dokumente zu holen. Dennoch war die Auswertung eine Herausforderung. Es wurde (meistens) vermerkt, wo es hinging. Der gewählte Weg jedoch bleibt ein Geheimnis. Eine Crew hat zwar minutiös jede Kursänderung notiert, aber leider keine Landmarken, Positionen oder wenigstens Distanzen dazu vermerkt. Dann ist es schon ein mühsames Unterfangen herauszufinden, wo sie gelandet sind. Erschwerend kommt hinzu, wenn der Name des Ortes nur so ähnlich notiert wird, wie er in der Karte steht. Genug der Vorrede. Was war 2017 los?

Ich glaube alle haben inzwischen mitbekommen, dass unsere Runö den vergangenen Sommer in den Stockholmer Schären verbracht hat. Als Wechselhafen diente entweder der Wasahamn direkt in der City von Stockholm oder der Heimathafen des KSSS (Kungliga Svenska Segelsällskapet) in Saltsjöbaden, wo das Frühstück im historischen Grand Hotel im Logbuch gelobt wird. Hier hat die Runö auch die Tage gelegen, in denen sie leider nicht bewegt wurde. 

Zuvor hatte ich ja Bedenken unser Schiff so fern der Heimat allein zu lassen, aber nachdem ich im Vorwege intensiven Mailkontakt zum Vorsitzenden des KSSS hatte, waren sie aus dem Weg geräumt. Die Hafenmeister (-innen) hatten immer ein wachsames Auge auf die Runö. Ganz so, wie wir es aus Burgtiefe gewohnt sind. Nur die Gegend ist eben anders: "Man muss gar nicht weit fahren. Einfach mal schön vor der Tür segeln (Saltsjöbaden, rund Harso)".

Der DSV hat die BSV zum Verein des Jahres 2017 gekürt. Ausschlaggebend dafür war vor allem die besondere Jugendarbeit. Dabei wurde die Rücküberführung der Runö durch unsere Jugendlichen (ja, in Begleitung von 3 erfahrenen Erwachsenen) besonders hervorgehoben (500 sm 5 ½ Tage). Die Flüstertüte berichtete ja bereits darüber. Was aber nicht so in den Vordergrund kam, ist, dass die Überführung nach Norden ja quasi auch von unseren Jugendlichen geleistet wurde. Na gut, sagen wir Ex-Jugendliche. Nachdem sie ein Jahr zuvor den SKS auf der Runö erworben haben, konnten sie nun zeigen, was sie können. Nicht nur nautisch (Törnziel ohne Probleme erreicht), sondern auch kulinarisch (täglich neue Kompositionen), musikalisch (schöner Musikabend am Strand) & touristisch (Badestrand bis Wikingerfestung). Im Logbuch steht: "Schweinswale im Kielwasser heben die ohnehin schon gute Stimmung" auf dem Weg nach Norden. Häufiger wurde ich darauf angesprochen, dass es ja sehr komfortabel sei, wenn die jungen Leute das Clubschiff in den schönsten Schärengarten der Welt segeln, damit die alten Herren dann dort segeln können. Und die Leute haben Recht! Das ist ein Luxus, den sich nicht jeder Verein leisten kann.

Wir waren früh in der kurzen schwedischen Segelsaison unterwegs. Das hatte zur Folge, dass einige sanitäre Anlagen noch im Winterschlaf waren. So lernt man die Hafenführer auch saisonal zu interpretieren. Baden in der Ostsee war allerdings keine Alternative. Die Temperaturen waren noch einstellig. Ein Betreiber einer Hot Dog / Softeis Bude hatte sogar Mitleid mit einem Crewmitglied und schenke ihm eine Wolldecke für die kühlen Nächte an Bord. "Isn't it too early to sail?" "Not during daytime, just the nights are chilly." Andere Einrichtungen sind zu jeder Jahreszeit geöffnet. So konnte eine Crew "zufällig eine Führung durch die Kirche" erleben, während der "Ort noch im Winterschlaf" lag. Ein anderes Mal gab es sogar ein "durchaus hörenswertes Chorkonzert" in einer Kirche. Ich wusste gar nicht, dass bei uns das christliche an der Seefahrt so gelebt wird. 

Wenn man so früh in der Saison unterwegs ist, hat das aber auch den Vorteil, dass man selten Schwierigkeiten hat einen Liegeplatz zu finden und häufig sogar allein ist. Dann kommt mancher auch auf Ideen. So wehte z.B. der große BSV Stander zeitweilig am Flaggenmast einer Jugendherberge in den äußeren Schären. Später liest man: "In Schweden beginnt die Saison…ausreichend Platz, wo 5 liegen, passen auch 8 hin"

Alte Hausmittel, besser: Bootsmittel, wurden erfolgreich wiederbelebt: "Etwas Salatöl ins Klo hilft gegen quietschen und es lässt sich auch gleich viel leichter pumpen." (Und die Pumpe lebt auch länger, Anm. d. Verf.).

Es wurde aber auch gesegelt. Dabei konnte eine Crew feststellen, dass der Spi recht groß ist und geübter Hände an Schoten und Ruder bedarf. Zufrieden konnte später notiert werden, dass man auf gleichem Kurs auch ohne Spi 11,8 kn erreicht hat. Auch der Tagesschnitt von 8,3 kn lässt kaum Wünsche offen.

Einmal lief die Runö mit den ersten Teilnehmern einer größeren Regatta ein und fand so noch einen guten Liegeplatz. Die nachfolgenden 100 Boote lagen etwas gedrängt. Dafür war die Stimmung im Hafen wohl glänzend. Der Vorteil bei solchen Großveranstaltungen ist in diesem Fall auch die Versorgung. So konnte sehr unbürokratisch eine gebrochene Segellatte ersetzt werden. "Kein Geld dabei? Kein Problem, Ihr seid doch die Tage in Stockholm, dann kommt dort einfach mal in der Werkstatt vorbei." Was dann auch so gemacht wurde. Und wie der Zufall es wollte, konnte der Besuch gleich mit einer kleinen Reparatur an unserer Genua verbunden werden. Die Nachfolgecrew dankte.

Achtmal fand ich den Eintrag: "Wunderschönes Segeln durch die Schären". Muss hier ein Plagiatsverfahren eröffnet werden? Ich glaube nicht, denn man kann es gar nicht oft genug erwähnen. Ein Eintrag lautet: "Ruhiges Wasser, 20 kn Wind, 9,5 kn FdW". Da muss man an manchen Stellen schon aufpassen, ob noch genug Platz zum Überholen ist. Doch es gibt auch andere Boote, die so schnell unterwegs sind, nur haben die meist keine Segel. Neben den von vielen Bildern bekannten Ansichten schöner Steine im Wasser ist das Bild einer "AIDA", "Disney Dream" oder "Serenade of the Seas" eher ungewohnt. Eben überlegt man noch, ob das Fahrwasser für die Runö groß genug ist und dann kommt plötzlich so ein Hochhaus um die Ecke. Immerhin mit leicht gedrosselter Fahrt.

Es gab sogar eine Rettungsaktion in den Schären: "Jet-Skifahrer saß auf antriebslosem Gerät (kaum schwimmfähig), langer Schlepp, Bootshaken zerbrochen, Nationale verloren und wieder eingesammelt, Havarist an KSSS Motorboot übergeben, anschließend sonnen im KSSS Gasthafen."

Einmal wurde sogar ein U-Boot in den Schären entdeckt. Dieses Mal soll es schwedisch gewesen sein, wo in der Gegend doch früher russische U-Boote gesichtet wurden.

Neu an Bord war ein Krümelverbot für den Rudergänger nachdem das Lenzloch in der Ruderbilge wiederholt verstopft war.

Die üblichen Hotspots der Schärenwelt wurden mehrfach angelaufen. In der Paradisviken war das Wetter leider alles andere als paradiesisch (SSW 5 und Regen), daher wurde auf das Ankern verzichtet und ein Hafen in der Nähe angelaufen. Anders war es in der Napoleonsviken (= Napoleons Badewanne, er soll hier tatsächlich einst gebadet haben). "Highlight einer herrlichen Woche unter Segeln in den Stockholmer Schären. Der Verzicht auf Restaurants und luxuriöse Sanitäranlagen wird durch eine unglaublich schöne Natur um ein Vielfaches ausgeglichen. Lediglich das Ankermanöver eines anderen deutschen Seglers und unsere Wasserpumpe störten die abendliche Ruhe. Der Sprung an Land ermöglichte Spaziergänge und Kletterpartien mit einer schönen Aussicht auf die Umgebung. Törntipp: Das Ankern in den Schären ist ein Muss für jeden Schärentörn." Mehrmals wurde die Insel "Runö" passiert, einmal lädt sie sogar zum Ankern ein. 

Gewöhnen mussten sich die Meisten an die Mooringtonnen oder –leinen. Das Abschätzen der Entfernung von Tonne zum Steg erfordert etwas Übung. Eine Crew ist erfreut, dass die Runö über genügend lange Leinen verfügt und dass einer an Bord in der Lage ist sie sehr schnell zusammen zu knoten. Erleichternd bei der Handhabung der Mooringleinen, die vom Grundgewicht zum Steg geführt sind, ist die Schärenschnitte, die sich um die Vorleinen kümmert während man selbst mit der Heckleine kämpft. (Logbucheintrag: "Runö-Wiki: Schärenschnitte, die, Kommt meist zu mehreren in Sandhamn am Steg angelaufen, um einen Liegeplatz anzuweisen. Auch Hafenmeisterin oder Hamnen-Personal genannt"). Übrigens kann man Sandhamn offensichtlich ganz unterschiedlich erleben. "Möja wollte uns nicht, war zu flach, weiter nach  Sandhamn, gute Entscheidung" oder "Sandhamn überbelegt & laut àLökholmen 1 sm E-lich: Idyllischer geht es nicht"

Ebenso erfordert es Übung den richtigen Punkt zu finden, an dem der Heckanker zu fallen hat. Man möchte die Felswand erreichen und dennoch einen festen Anker haben. Viele haben diese Übungen bravourös gemeistert und diverse Stellen im Stockholmer Vorgarten gefunden, an denen man vom Vorsteven aus an Land gehen kann. Wenn es nicht ganz reichte, dann wurde das Schlauchboot als Seilfähre verwendet. Schade ist, dass die sich seit Jahren an Bord befindlichen Schärenanker nicht gefunden wurden, wo sie endlich mal zum Einsatz hätten kommen können. Zumindest ging es einer Crew so, ob andere sie verwendet haben ist nicht überliefert. (Sie liegen Bb unter der Messekoje neben dem Reserveanker)

Aber es wurde nicht nur die schöne Welt der Schären bereist. Ein paar tollkühne Segler haben es auch bis auf die Aaland Inseln geschafft. Eintrag: "Mit 9 kn wie auf Schienen über die Ostsee nach Marieham". Andere erlebten dasselbe Seegebiet so: "Grobe See, nur gereffte Fock, FdW >9 kn, Seekrank = Frühstück weg!" Wenn man dann aber da ist: "Endlich mal ein Hafen mit ausreichend Wassertiefe: 17 m. Super Sanitäranlagen inkl. Sauna, Stadtgang mit Musikfestival." Eine Crew wollte nicht nur die Hauptstadt besuchen und hat nach Rückfrage "finnische Karten auf den Aalands gekauft, gute Entscheidung." So ausgerüstet konnte der Archipel sicher erkundet werden. Und das hat sich offenbar gelohnt: " Mittagspause mit Turmbesteigung (42 m über Fels) und edlem snack (Lachs & Lachstartar)."

Über das Wetter lässt sich ja immer meckern. "Das war aber wieder ein mieser Sommer in diesem Jahr", hat doch wohl jeder von uns kürzlich gehört. Im Logbuch findet sich der folgende Eintrag: "Sonne satt & super Landschaft". Natürlich gab es auch mal Starkwind und Regen. Da ist man froh nicht in den uns meist bekannten Häfen der dänischen Südsee zu liegen, sondern z.B. das Wasamuseum besuchen zu können. Oder einfach mal eine der schönen schwedischen Städte zu erkunden. In Norrtälje z.B. gibt es neben einem Phytagoras Museum auch noch den Idrottsbakken, von dem aus man sowohl den Fjord als auch die innere Seenlandschaft bewundern kann.

Eine Crew besuchte auch historische Stätten: "... hier wurde die Runö vor 3 Jahren gekauft, leider ist hier nix los, keine Versorgung, nur Behinderten WC." 

"Björnö bietet außer Clubanlagen nichts à lieber weiter segeln" versus "Ein kleiner Steg, kleine Insel, geselliger Abend" Die Erwartungen an den idealen Liegeplatz sind unterschiedlich. Und gerade deshalb ist es so schön, dass die meisten Crews ihre Erlebnisse so notiert haben, dass die Nachfolger sich ein Bild machen konnten und von den Erfahrungen der Vorgänger profitieren konnten. Dazu gehören natürlich auch die Positionen von schönen Liegeplätzen an den "Klamotten", an denen man z.B. "einen schönen Morgen" erleben kann.

Es hat mich gefreut, dass selbst im hohen Norden die Ausbildung nicht zu kurz kommt: "Anlegen üben àklappt noch nicht so ganz", es wurden aber keine Schäden festgestellt. Ablegen unter Segeln. „Kommt eher selten vor. Leichte Brise, ablandiger Wind, keine Hindernisse." Aber auch das Feiern darf nicht zu kurz kommen: "Skipper lädt Mannschaft wg. bestandener SSS Prüfung zum Essen ein." Und kurz darauf: "…lädt Crew und Skipper zur Tapasbar wg SKS".

Den Rest des Sommers verbrachte die Runö dann wieder "im Süden", im vertrauten Revier. Den Weg nach Kopenhagen kennt sie wohl auswendig, aber die dänische Hauptstadt ist immer wieder eine (dieses Mal auch zwei) Reise wert: "Schöner Stadtausflug in Kopenhagen. Softeis, Pølser, Bier & Streetfood…was braucht man mehr?" steht da im Logbuch. Ich freue mich, dass Pølser nun endlich nicht mehr als Streetfood gelten, sondern als ordentliche Mahlzeit. Mag der Weg auch bekannt sein, so sieht er doch nie gleich aus. Auf dem Hinweg steht im Logbuch: " Ein sehr schöner Segeltag bei besten Bedingungen" und "Ein sonniger Tag mit Flaute", während auf dem Rückweg von "Dauerregen und S 7" die Rede ist. Auf der zweiten Tour wurde wegen Starkwind ein Hafentag eingelegt: 47 kn (9-10 Bft oder Sturm bis schwerer Sturm steht in der Windstärkentabelle). Da ist es doch tatsächlich mal besser im Hafen ab und zu die Leinen zu kontrollieren, als auf See durchgepustet & -schüttelt zu werden.

Ein Höhepunkt der Saison war dann kurz vor Ende der Ü 70 Törn. Ein paar verwegene Salzbuckel, die aber das Logbuch nicht mehr selbst unterschreiben möchten, fanden jemanden, der etwas jünger war und bereit die Verantwortung zu übernehmen. Eine schöne Veranstaltung, die hoffentlich wiederholt wird.

Last but not least hat sich eine Gruppe gefunden, die eher aus der Jollenszene kommt und sportliches Segeln liebt. Unter sachkundiger Leitung wurden nahezu alle Segel ausprobiert, die der Segelboden so hergibt. Ich vermute, dass in den 4 Tagen mehr Manöver gefahren wurden, als mancher während eines 2-wöchigen Urlaubstörns fährt. Das mag dann auch die etwas lückenhafte Logbuchführung erklären.

Ach ja, die Statistik: 95 Tage, 2759 sm (77% gesegelt), 565 Std auf See (73% gesegelt, davon 19% im Reff und 5% unter Spi). Weitere Daten auf Anfrage.

Tim Ullner

Das Logbuch der Runö 2016

Es ist wieder vollbracht. Ich habe die 3 Logbücher der Runö der vergangenen Saison durch gelesen und ausgewertet. Logbucheinträge bestehen zunächst mal aus nautisch wichtigen Informationen, also vielen Zahlen, Zeichen und Abkürzungen. Übrigens sind Positionsangaben nach Länge und Breite sicherlich sehr präzise, aber ein zusätzlicher Hinweis auf einen markanten Punkt in der Nähe würde sehr helfen. Viel schöner noch als die nautischen Daten sind aber die Bemerkungen und Notizen zu den Erlebnissen, auf der Seite „Tagesereignisse“. Und die sind in den vergangenen Jahren mehr geworden. Überhaupt möchte ich mit einem Lob beginnen: Immer mehr Nutzer schaffen es leserliche und verständliche Informationen im Logbuch zu verewigen. So ist es durchaus interessant die strategischen Überlegungen für die Anpassung der Routenplanung nachvollziehen zu können – seien es meteorologische oder touristische.

Natürlich gibt es immer noch mal jemanden, der offensichtlich ohne Crew einfach irgendwo unterwegs war, was dann vorsichtshalber auch nur mit Bleistift eingetragen wurde. Andere führen dann wieder sehr ausführlich Logbuch – teils 2 Seiten pro Tag. Mir ist das lieber. 

Ich glaube, wenn ich so die (fast immer vorhandenen) Unterschriften ansehe und mit den anderen Eintragungen vergleiche, dann sind die Skipper professioneller geworden und haben vermehrt einen Logbuchbeauftragten ernannt. Er kann, frei von anderen Aufgaben, in Ruhe das Logbuch führen. Wem es unter Deck zu schauklig ist, kann auch eine Kladde auf einem Klemmbrett an Deck führen und die Notizen dann in ruhigen Phasen ins Buch übertragen. Wie auch immer es in dieser Saison geschafft wurde, die (meisten) Eintragungen waren besser zu verstehen als noch in den Jahren zuvor.

Zur Statistik: Unsere Runö war 142 Tage im Wasser, davon 123 Tage unterwegs und hat dabei 4472 sm, davon 88% unter Segel, zurückgelegt. 10 Nächte wurden durchsegelt. Die durchschnittliche Distanz pro Reise  liegt bei 449 sm. Hier gibt es allerdings große Unterschiede. Die kürzeste Reise brachte es auf nur 91 sm, während die längste 1592 sm sammelte. Berücksichtigt man aber auch die Dauer der Reise (91 Meilen in 3 Tagen und 1592 in 22 Tagen), so relativiert sich das Bild. Wenn man die 20 Hafentage abzieht, dann wurden im Schnitt 43 Meilen pro Tag zurückgelegt (davon 38 gesegelt). Dabei verbrachte man 8,1 Stunden auf See von denen 7 Stunden gesegelt wurden. Die längste non-stop Tour dauerte 45 h und man erreichte einen Schnitt von 6,6 kn. Verständlich, dass man sich dann mehr Batteriekapazität wünscht. Wenn man so schön segelt ist das Nachladen immer unangenehm. Die Abstände dieses notwendigen Übels kann man übrigens deutlich vergrößern, wenn man selbst steuert. Aber solche langen Törns sind ja auch die absolute Ausnahme.

Die erwähnten Hafentage wurden oft wegen zu viel Wind oder Regen eingebaut. Zum Glück gab es die EM. „Viel Wind & Regen! Gemütlicher Hafentag mit Bier und Fußball“. Einmal wurde allerdings auch ein Hafentag bei bestem Segelwetter eingelegt – um zu segeln, besser gesagt um zu kiten. Die Runö als Kite-Basis zu verwenden ist eine bisher vernachlässigte Form der Nutzung.

89 Personen wohnten für eine begrenzte Zeit auf der Runö. 82% sind Mitglieder der BSV, 12% sind jugendlich. Bedeutet es, dass sich mehr Mitglieder zusammen gefunden haben, um gemeinsam auf der Runö zu segeln? Oder sind die Gäste der vergangenen Saisons inzwischen in die BSV aufgenommen worden? Dazu müsste noch eine Auswertung der Mitgliederstatistik stattfinden, was aber hier den Rahmen sprengen würde. Die durchschnittliche Crewstärke lag bei 5,6 Personen und ist damit im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. 

Unsere Jugend, sonst bekannt für den letzten Törn in der Saison, eröffnete sie in diesem Jahr. Pfingstwetter ist ja häufig warm und sonnig. Nicht so 2016 - mit NW 6-7, Schauböen und Temperaturen um 10°C war es ein rauer Start in die Saison. Dennoch hat keiner der jungen Leute dem Segeln abgeschworen. Ich habe noch mehrfach im Sommer gehört, wie sie mit leuchtenden Augen von dem tollen Pfingstsegeln erzählten. Kälte und Nässe waren vergessen, nur die fliegende Gischt und das berauschende Gefühl bei 10 kn am Ruder zu stehen waren noch da. Wenn das so weiter geht, dann müssen wir uns keine Sorgen um Nachwuchs machen. Hier begann übrigens die Reihe der Lobe für das neue Großsegel (mit den 2 großzügigen Reffreihen) und die verbesserte Segeltasche – und sie hörten bis zur letzten Reise der Saison nicht auf. Vielen Dank an unseren Segelmacher.

Es waren aber neben dem Jugendtörn auch noch andere Jugendliche an Bord, die das Segeln auf der Ostsee (Stoll(p)er Grund!) gleich richtig kennen lernen sollten. „SW 5-6, böig, 1.Reff – Zum Eingewöhnen der 4- und des 9-jährigen ein guter Anfang“, steht im Logbuch. Ich gehe davon aus, dass die beiden in ein paar Jahren auch am Jugendtörn teilnehmen werden, denn im weiteren Verlauf des Törns fand ich die Eintragung „Kinder & Mannschaft begeistert“.

Überhaupt: Das Wetter. Es wurde in dieser Saison alles geboten, was es an Wetter so gibt. Nur nicht immer zu der Zeit, zu der man es erwartet hätte. Es war nicht immer wie an Pfingsten. Es gab Zeiten, da wurde (so gesehen in Spodsbjerg) der Wetterbericht im Schaukasten beim Hafenmeister auch schon mal 3 Tage alt und war immer noch gültig: „Auch heute wird wieder ein schöner Tag“. Dennoch sollte man den Wetterbericht beachten, wie die meisten es ja tun. Trotz all der Quellen, die man heute in fast jedem Hafen hat, werden sogar noch Wetterkarten gezeichnet. Vielleicht auch im Rahmen der Ausbildung für den Nachwuchs. Kompliment! Wenn der Bericht und die Analyse dann auch noch stimmen, findet man die folgende Eintragung: „Frühes Aufstehen lohnt sich. Den nächsten Hafen noch vor der Front mit Sturmböen erreicht“. Im August hieß es: „Trotz Kreuz ein schöner Segeltag weil halbwegs sonnig. Man freut sich ja schon über kleine Anzeichen eines Sommers“, im September dagegen wurde die Reise so im Logbuch abgeschlossen: „Vom Wetter her hätte der Törn auch in den Juni gepasst“. Im Juli hatte man wohl von allem etwas. Die Eintragung lautet: „ Nach viel Regen und Wind, Flaute aber endlich Sonne -> Badezeit auf See“.

Besonders gefreut habe ich mich über den Eintrag „Danke, dass alles so gut funktioniert“. Dieses Lob gilt natürlich uns allen, nicht nur denen, die sich im Winter um das Schiff kümmern, denn es zeigt sich immer wieder, dass wir alle die Runö als unserSchiff ansehen und auch so behandeln. Mancher freut sich einfach über diverse neue oder reparierte Dinge an Bord (und vermerkt es im Logbuch). Eine über Bord gefallene Winschkurbel wurde umgehend und durch eine deutlich bessere ersetzt, obwohl noch Ersatz an Bord war. Eine Crew erlebte sogar einen „Tag des Verlierens“ und ging im nächsten Hafen shoppen. Einmal allerdings war man mit den Möglichkeiten am Ende und benötigte Schlepphilfe wegen einer leeren Motorbatterie. Man vermutet, dass der Autopilot sie über den langen Segeltag verbraucht hat. Das soll natürlich nicht passieren – die Stromkreise sind getrennt. Später wurden neue Batterieklemmen installiert und das Problem tauchte nicht mehr auf. 

Zusammenfassend möchte ich loben: Es wird repariert und optimiert. Dabei ist es egal, ob man den Schaden selbst verursacht oder schon übernommen hat: Wenn man die Möglichkeit hat unser Schiff zu verbessern, dann wird es gemacht.

Auf einer anderen Reise wurde nach 2,5 Wochen erstmalig eingetragen, dass das Motoröl kontrolliert sowie der Kühlwasserfilter gereinigt wurde! Das allerdings muss mit einem Tadel geahndet werden: Wir haben alle in unserer Ausbildung gelernt, dass man auf einem Boot dem Motor deutlich mehr Aufmerksamkeit widmen muss, als man es heutzutage vom Auto her gewohnt ist. Wenn der Motor im Auto streikt, dann bleibt man eben dort stehen, wo man ist und wartet auf Hilfe. Wenn an Bord der Motor versagt, dann kann das zu einer Katastrophe führen. Der Motor ist immer das letzte Ass im Ärmel, das man noch hat, wenn es kritisch wird. Hätte die Preussen einen gehabt, gäbe es sie vielleicht noch – Ich hoffe, dass die Kontrollen tatsächlich täglich stattgefunden haben, es nur vergessen wurde ins Logbuch einzutragen.

Erfreulich ist, dass fast alle eine gründliche Sicherheitseinweisung vor Reisebeginn machen, nach dem Auslaufen gleich ein paar Bojenmanöver fahren und auch bei wenig Wind mal das Reffen üben. Eintragung: „Schnell konnte gerefft werden, da die Handgriffe saßen“. Bewährt hat sich auch im Laufe der Reise, wenn die Situation es gerade erlaubt, mal ein unangekündigtes Manöver fahren zu lassen. Ein Skipper ließ sich auch von dem Termin eines Fußballspieles nicht hetzen. Die Manöver wurden in Ruhe zu Ende gefahren. Richtig spannend wird es, wenn man vorgibt, dass der Skipper weg ist. Schafft die restliche Crew es allein in vertretbarer Zeit sich zu organisieren und den Skipper zu retten? (Allerdings sollte man den zu verwendenden Fender vorher mit einem Auge präparieren, damit man ihn mit dem Bootshaken auch wieder an Bord bekommt.)

In dieser Saison durfte die Runö nun endlich auch ihre Namensgeberin kennen lernen: Die Insel Ruhnu in Estland, die zu Zeiten unserer Stammvereine Runö genannt wurde. Der Hafenmeister soll sehr nett sein. Man übergab ihm einen Stander der BSV und eine Flasche BSV-Vodka (040). Der Stander hängt in seinem Büro…über den Verbleib des Vodkas ist im Logbuch nichts vermerkt, aber ich befürchte er wurde getrunken. Dort steht weiter: „Erkundungstour bis zum Sonnenuntergang. Ist echt schön hier!“

Einer Crew fällt die Gastlandflagge für Schweden beim Setzen über Bord. Nach dem Einlaufen wurde sofort ein neue gekauft. Dann ist man auch auf der sicheren Seite, die richtige Flagge zu führen. 

Eine Crew praktiziert die (mir bisher unbekannte) „Gummibärchennavigation“ (1 Gummibärchen = 5 sm) und ist damit offensichtlich immer sicher ans Ziel gekommen. Was sich mir nur nicht erschlossen hat ist, ob man alle 5 Meilen ein Bärchen essen darf / muss, oder ob die Bärchen als Zirkelersatz dienen. Die Fachliteratur schweigt sich aus.

Einmal kreuzte man lange in einen Sund hinein, um dann kurz vor einer (überraschend aufgetauchten?) Brücke hektisch in den Schiffspapieren nach der Masthöhe zu suchen. Ich weiß nicht, ob die Information (20 m) gefunden wurde, aber der Mast stand im Herbst noch. Ich nehme den Hinweis aber gerne auf und werde eine Kopie der Liste mit den Hauptdimensionen der Runö an einem gut sichtbaren Ort anbringen.

Geschwindigkeit ist ja immer wieder ein Thema. Und der knapper werdende Platz auf See auch. Eine voraus schwimmende Ente hat den speed der Runö unterschätzt und wurde „etwas aus der Bahn geworfen“. Als was gelten Enten eigentlich in den KVR? Als Überholer hat man sich jedenfalls immer frei zu halten. Nun, man konnte noch beobachten, dass das Fliegen nicht mehr gut ging, das Schwimmen aber noch gut klappte. Ich hoffe dass sie sich inzwischen von dem Schock erholt hat und auch wieder fliegen kann. Ein anderes Mal schneidet ein Frachter nach dem er überholt hatte den Kurs der Runö knapp vor dem Bug – auch bei der Preussen hat sich ein Dampfer verschätzt, zum Glück ist die Runö wendiger, konnte (Dank der aufmerksamen Wache) einen Haken schlagen und eine Kollision verhindern.

An einem recht flauen Tag wurden endlich die Segel auf der Runö gesetzt. Viele andere Yachten lagen bekalmt in der Nähe, während die Runö mit leisen 3 kn durch das Feld glitt. Ein Crewmitglied bemerkte: „Toll, so kann man sich ja ein Boot nach dem anderen ansehen“.

Wenn man das Potenzial der Runö kennt kann man auch entsprechend planen und „mal schnell nach Anholt zum Baden segeln“. Viele kennen eine GPS Anzeige wahrscheinlich als recht statisch. Wenn man aber auf dem Weg nach Hause ist und Strecke macht, dann kann man später im Logbuch lesen: „ Im Sauseschritt purzeln die Breiten und Längen“.

Über die Manövrierfähigkeit der Runö wurde auch berichtet. Einmal wurde zwischen 2 großen Skandinavienfähren gekreuzt. Hornblower hätte seine Freude gehabt. Was er wohl veranstaltet hätte, wenn er so hätte manövrieren können? Die sehr guten Segeleigenschaften wurden von einer anderen Crew gar nicht weiter erwähnt, sondern einfach genutzt. Man kann es aus dem Logbuch heraus lesen, denn jede Wende wurde vermerkt, als der Alssundaufgekreuzt wurde. 

Eine Crew schreibt am Ende der Reise: „Schiff für die Übergabe vorbereitet“. Die nachfolgende Crew beginnt damit das Schiff aufzuräumen. Entweder ist man mit der Vorbereitung nicht fertig geworden oder nicht alle haben das gleiche Verständnis davon, wie ein Schiff zu übergeben ist. Allerdings scheint das kein verbreitetes Problem zu sein, wie andere Einträge zeigen: Übernahme, Vorgänger waren schon abgereist, „Boot wurde in einem sehr vorbildlichen Zustand hinterlassen“. Bei der Endreinigung nimmt jemand tatsächlich mal die Bodenbretter hoch: Lob!! Das sollte im Laufe der Saison gern mehrmals passieren (man wundert sich, was dort im Herbst so zutage tritt). Diese Crew war aber überrascht, dass sich dort noch Bleiballast befindet. „Warum ist der auf einer Fahrtenyacht überhaupt noch an Bord?“ und es wird der Vorschlag gemacht den Bleiballast durch Bier zu ersetzen (das wäre jetzt wohl ungenießbar, da es niemand gefunden hätte). Wäre dieser Ballast nicht mehr dort, würde sich so mancher wundern und sich dann noch eine dritte Reffreihe wünschen. Es sei denn er hat immer 8 Mann auf der hohen Kante sitzen.

Die Häfen sind im Sommer, besonders in der dänischen Südsee, recht voll. Da ist es schön ein schnelles Schiff zu fahren und vor den meisten schon wieder einen Platz gefunden zu haben. Dann kann man sich ganz entspannt dem nachmittäglichen Hafenkino widmen, oder ausgiebig über die Herstellung von Bratkartoffeln diskutieren. Es werden in der ganzen Saison Schweinswale gesichtet. Einmal schwamm einer sogar im Hafen mit einem Schwimmer (Mensch?) um die Wette. Wer hat wohl gewonnen? Allerdings sollte man auch nicht zu früh einlaufen, denn es ist gemein, wenn das frühe Ankommen damit belohnt wird, dass die vermeintlich freie Box dann plötzlich vom Hafenmeister auf „rot“ gestellt wird und man auf einen unkomfortableren Platz verholen muss.

Es ist ja immer schwierig Fotos des eigenen Schiffes von außen zu bekommen. Dafür wurde jetzt ein Weg gefunden. Man unterhalte sich abends nett mit dem Stegnachbarn, lässt ihn morgens bei bestem Fotowetter zuerst auslaufen und überholt ihn später photogen in Luv (ohne ihn zu verärgern). Nun muss dieser Segler nur noch fotografieren, die BSV im internet finden, ein paar emails austauschen und schon hat man ein schönes Foto. Vielen Dank an den Überholten.

Im Hafen von Sonderborg hatte man sogar Kontakt mit der Yacht der dänischen Königin, die vor dem Schloss lag. Leider war Margarete nicht an Bord, sondern machte Ferien auf dem Landsitz in Augustenborg. 

Eine Crew vermerkt, dass auf der GPS Karte (von 2016) eine neu aufgeschüttete Steinmole fehlt – und hat es für die nachfolgenden Crews im Hafenhandbuch vermerkt. Das ist lobenswert. Und es ist eine Bestätigung für den Grundsatz: Der Kartenplotter ist immer nur unterstützend zu verwenden. Sonst kann so ein Fehler im Dunklen schnell zum Problem werden.

In Sassnitz wurde man nachts durch laute Livemusik im Schlaf gestört, was zu einem frühen Auslaufen führte. Belohnt wurde dieser Pyjamastart mit einem tollen Lichtspiel der aufgehenden Sonne auf den Kreidefelsen des Königstuhls, von Kap Arkona und Møns Klint.

Die Roald Amundsen ist ja inzwischen in der BSV recht bekannt geworden. Nun durfte die Roald auch die Runö kennen lernen, als die eine die andere am Heck rundete und mit einer La-ola-Welle grüßte. Der Leser mag sich selbst überlegen, wer beim wem ums Heck segelte.

Am Anfang einer Reise ließ sich eine Crew nicht bange machen, obwohl man auf Fehmarn eine Rettungsaktion mit leckgeschlagenem und später gesunkenem Schiff erlebte. Zum Glück war es nicht die Runö und man entschloss sich dennoch auszulaufen. Der Rest des Reiseberichtes zeigt, dass es sich gelohnt hat.

Mancher ist „etwas betrübt, dass es morgen vorbei ist“. Doch nachdem Törn ist ja bekanntlich vordem Törn. Die Planung für 2017 läuft bereits und die ersten Wochen sind gebucht.

Tim Ullner

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