Montag, 19.09.2011

Das Ende vom Lied,

so, ich bin wohlbehalten wieder in Deutschland angekommen, will euch aber trotzdem noch erzählen, wie die Geschichte ausgegangen ist.
Für Freitag waren eigentlich frische 20 Knoten Wind angesagt und so waren Eike und ich begierig, noch einmal richtig anzugreifen und etwas zu reißen.
Als wir am Segelclub ankamen, sah es leider erst mal nach deutlich weniger aus, und auf dem langen Weg in die Bucht unter Spinnaker nahm es dann noch kontinuierlich ab.
Am Startschiff angekommen, setzte die Wettfahrtleitung erst mal die Mottoflagge dieser WM: Startverschiebung.
Der Wind pendelte um 30 Grad und 5 Knoten. Keine idealen Rennbedingungen. So warteten wir ca. eine Stunde auf besseres Wetter, in der die Rufe nach reinfahren und containerpacken immer lauter wurden. Die Wettfahrtleitung ließ sich davon nicht beirren und startete uns. Wir kamen im ersten Start sehr gut weg, hatten freien Wind und eine schöne Lücke. Bis zum Gesamtrückruf.
Man kann die 14s wohl bei wenig Wind einfach nicht ohne Black Flag starten.
Also mit Black Flag, das heißt, Frühstarter werden automatisch disqualifiziert. Im zweiten Start kamen wir dann leider lange nicht so gut weg, wir parkten irgendwo ein, keine Chance auf freien Wind und so fuhren wir erst mal links raus, wo wir uns mit einem anderen Bot so in einem Zweikampf verhedderten, dass wir die Wende zu spät ansetzten und in die Abdeckung der Boote mit Spi gerieten. Als wir endlich die Luvtonne rundeten, konnten wir den Ausblick auf fast das gesamte Feld unter Spi genießen. Sehr bunt.
Getreu unserem Regattamotto: "Schwach anfangen, stark nachlassen!" starteten wir eine aggressive Aufholjagd und konnten noch 18 Boote hinter uns bringen, bevor wir als 53. die Linie kreuzten.
Es war klar, dass wir damit ganz sicher ein paar Plätze absacken würden und so hofften wir, nicht noch ein Rennen bei für uns so miesen Bedingungen segeln zu müssen.

Aber dann kam es doch anders. Um 13:53 wurde das 7. und letzte Rennen dieser WM angeschossen. Letzte Startmöglichkeit wäre 14:00 gewesen. Diesmal fuhr Eike einen furiosen Start in eine kleine Lücke direkt am bevorteilten Startschiff. Furios heißt: Bei 20 Sekunden noch einen 360° Turn um ein Boot in der Mitte zu machen, mit dem Schwung aus der Halse am Arm hängend anzuluven während der Schotte am Haken beide Schoten dichtnimmt und mit einer Sekunde Plus bei Black Flag mit Vollgas über die Linie zu schießen.
Wir behielten unsere Taktik bei, nah beim Feld zu bleiben, sonst aber um jeden Preis freien Wind zu holen und ansonsten einfach möglichst schnell zu fahren. Einfach und effektiv. Diesmal fuhren wir ein sehr sauberes Rennen und fochten über 2 Runden lang schöne Zweikämpfe mit Paul Galvez und Jörn auf Ert aus. Das hätten wir so nie gedacht.
Sogar der Wind frischte immer mehr auf, bis wir an der Kreuz sogar einen knappen Doppelsteher zu Stande brachten. Am Ende fuhren wir dann einen sehr guten 39. Platz nach Hause. Wobei: Der Weg nach Hause wurde noch äußerst interessant. 10 Minuten nach Zieldurchgang kam dann nämlich der Wind. Keine 20 Knoten, sondern 30. Damit hatten einige der auf Leichtwind eingestellten Boote und Crews schwer zu kämpfen. Alleine zwischen den Molenköpfen auf dem Weg in den großen Hafen lagen 5 Boote u.a. Idefix eng bei einander.
Auf dem weiteren Weg kamen wir an vielen liegenden und kämpfenden Booten vorbei, als ich aussprach, was wir beide dachten: "Lass oben nochmal Spi ziehen" Also los, um einen gekenterten B5 herumgewendet, abgefallen und den schönen neuen roten Spi hoch.
Das Ding macht vielleicht einen Druck und auch mit dem Squaretop groß muss man sehr aufpassen es nicht zu offen zu fahren. Es ging schon echt zur Sache und wir flogen durch den Hafen zwischen den mühsam aufkreuzenden Booten hindurch. Leider haben wir uns dann in der Halse hingelegt und mussten im Liegen bergen. Für den kleinen Sprint haben wir abends noch einige Biere ausgegeben bekommen.
Das Pricegiving mit anschließender Party war ausgesprochen nett, obwohl ich doch froh war, gegen 4 im Bett gewesen zu sein. Wir bekamen sogar einen Kaffepott für unsere Platzierung beim POW.

Insgesamt war es eine tolle WM. Der Partyfaktor war überdurchschnittlich hoch und das Segeln war am Ende auch noch ziemlich klasse. Mit unserem Gesamtergebnis Platz 47 können wir angesichts der anwesenden Konkurrenz auch sehr zufrieden sein. Gewonnen hat zum dritten Mal Archie Massey, nachdem die Seldens im letzten Rennen wegen Black Flag disqualifiziert wurden, obwohl sie schon alles sicher glaubten. Den dritten Platz belegte die schnellste Frau im Feld, Katie Nurton. Besonders stolz sind wir natürlich auf Eike und Georg, die einen 9. Platz im Endergebnis klargemacht haben.
Damit bleibt jetzt nur, sich auf Toronto 2013 zu freuen!

Gruß
Jan Martin

Donnerstag, 15.09.2011


Startverschiebung. Man glaub es kaum, aber tatsächlich wegen zu wenig Wind. Nach 10 Tagen Sturm. Naja, wir gammeln in der Sonne und kucken den einzelnen Windflecken zu, wie sie langsam über den Hafen ziehen. Teile der Flotte sind seltsam übermotiviert, die Kanadier sind seit 10 Uhr umgezogen, langsam gehen immer mehr Großsegel hoch. An Land stehen also ca. 50 14s mit Segeln oben, die keiner festhält und die trotzdem nicht umfallen.
Irgendwie ein schlechtes Zeichen.
Trotz allem kommt um 13:00 Uhr die Slipfreigabe. Unsere Motivation hält sich in Grenzen und wir wollen eher Schadensbegrenzung betreiben als angreifen. An der Linie angekommen ist die Stimmung dann schon besser, der Wind ist schwach aber konstant, die Sonne scheint und Aussicht auf Kreidefelsen und hügelige englische Landschaft über türkisem Meer ist einfach hervorragend.
Erster Start wird ein Gesamtrückruf, zweiter also mit Black Flag, trotzdem fahren wir einen guten Start, haben auch guten Bootspeed und versuchen uns möglichst freizuhalten. An der 1. Leetonnen liegen wir noch im vorderen Mittelfeld, müssen aber nach einer Berührung kringeln und kommen dann schlecht weg. Wir fahren eine Taktik mit vielen Manövern, segeln den Kurs möglichst zentral ab, um uns alle Möglichkeiten offen zu halten und uns freien Wind zu beschaffen. Wir halten uns relativ gut auf einer Höhe mit den anderen Deutschen, vorallem mit Ert gehen wir oft zusammen um die Tonne.
Am Ende kommt ein 51 Platz dabei raus, was wirklich in Ordnung für die vorherrschenden Windbedingungen ist. Wir haben zum ersten Mal das Gefühl, dass sich der ganze Aufwand, den wir in letzter Zeit ins Boot gesteckt haben, gelohnt hat.
Das zweite Rennen verläuft sogar noch besser. Wir fahren einen hervorragenden Start, hinter uns gehen fast alle Top Teams durch. Irgendwie schaffen wir es trotzdem, nicht zuletzt wieder durch einen Knoten an der Leetonne, einiges zu verspielen. Am Ende reicht es für einen 45. Platz im zweiten Rennen und immerhin noch einen 43. im Gesamtergebnis, punktgleich mit dem 42. Damit liegen wir immernoch besser als erwartet und können ganz schön stolz auf unsere Ergebnisse sein.
Bei den ersten Trainingsschlägen hier in Weymouth hatten wir noch das Gefühl, furchtbar unvorbereitet zu sein, jetzt sind wir ziemlich glüklich mit unserem Setup und freuen uns auf die 2 verbleibenden Rennen morgen.

Im Gesamtergebnis führen die Seldenboys mit 2 Punkten vor Archie, dann kommt schon Katie, die hier ganz großes Kino abliefert. An 10. Stelle liegen unsere besten Deutschen Georg und Eike.

Außerdem ist es hier mal wieder so, dass es kaum Boote gibt, die nicht oder selten finishen, alle die hier sind, segeln auch um die Wette. Wenn man also 45. ist, hat man tatsächlich 25 Boote hinter sich.

Soviel erstmal von mir, morgen wird wieder gesegelt. Hoffentlich.

Gruß
Jan Martin

 

Mittwoch, 14.09.2011

So liebe Sportbegeisterte,

seit gestern ist die Weltmeisterschaft der International 14s vor Weymouth auch auf dem Wasser und nicht nur am Tresen in vollem Gange.
Nochmal zur Übersicht: auf der Liste stehen 71 Boote bemannt mit den besten Seglern der Welt. Und wir. Wir sagten uns nach Analyse der Meldeliste, dass wir allerhöchstens einen 45. Platz schaffen könnten und mit allem in den Top 50 zufrieden sind. Top 50 bei 70 Booten hört sich nicht viel an, aber das bedeutet, dass man erstmal mindestens 22 Boote hinter sich bringen muss. Das ist in einem Feld wie diesem schwieriger, als man denken könnte.
Aber der Reihe nach:

Es pustet. Der Hafen ist voller weißer Schaumkämme, am Steg in Lee peitscht das Kabbelwasser hoch in die Luft, insofern nichts neues. Am Abend vorher gab es im Red Lion Pub allerdings die Übereinkunft: Pünktlich um 10 Uhr sind die Persenninge unten und die Boote klar zum Segel hochziehen. Ob es daran liegt, oder daran, dass wohlt tatsächlich nur 20-25 Knoten gemessen werden, jedenfalls schieben gegen 11:00 Uhr ca 70 Teams mit vereinten Kräften ihre Boote ins Wasser, die in der kräftigen Brise mit Segeln oben ungeduldig samt ihren Slipwagen im Dinghypark herumhüpfen (!).

Danach wieder das bekannte enge Abfallmanöver am Slip (Luvkrängung...mehr...mehr...WENIGER!!! *platsch*) führt uns ins Wasser, das soll aber der einzige Kontakt mit dem Schwert für heute bleiben.
An der Startlinie stellen wir fest, dass scheinbar mehr Teams begierig darauf sind, die Wassertemparatur zu testen. Wir halten uns ca 20 min in der Nähe auf und warten auf den Start. Das erste Rennen heute holt den ausgefallenen Prince of Wales Cup, die britische Meisterschaft, nach und besteht aus einer Einzelwertung und einer Teamwertung, in der der erste mit dem letzten, der zweite mit dem Vorletzten etc. zusammen in eine Wertung kommt. Zur Erinnerung: Wir haben im ersten Rennen mit kaputten T Foils einen 57. gefahren und sind so mit Mark Krstic, 5. Platz in einem Team.
Es soll ein langes Rennen von 6 Runden werden. Unser Start bei knackigen 20 Knoten Wind glückt hervorragend und nach einer ebenso guten 1. Kreuz finden wir uns als ca 15. Boot an der Luvtonne wieder. Mit einer saftigen Bö nach´m Abfallen ziehen wir über drei Weitere Boote hinüber, von denen uns 2 aber am Leefass wieder bekommen.
Insgsamt sind wir erstaunt, wie gut wir den Speed der anderen halten können und noch erstaunter, dass vor uns tatsächlich ab und zu Boote kentern. In der dritten Runde dann ein wirklich lustiges Problem: Unsere Wasserflasche hat sich auf dem Downwind verselbstständigt und liegt nun quer vorm Ruderblatt, was bei 18 kt Bootspeed eine ca. 3 m hohe Fontäne erzeugt. Das kostet uns drei weitere Boote, aber nichtsdestotrotz sind wir immer noch gut unterwegs.
In den weiteren Runden haben sich die meisten Plätze gesetzt und jede der erschöpften Crews versucht nur noch, ihre Platzierung nach Hause zu fahren.
Wir fangen an, Teams zu überrunden, was einem ziemlich die Übersicht nimmt und zusätzlich verwirrt, weil abwechselnd Dreiecke und Schenkel gefahren werden.
Wir retten in diesem 2. WM Rennen einen absolut hervorragenden 27. Platz ins Ziel und haben damit unser bestes Internationales Rennen überhaupt bestritten.
Direkt hinter uns fährt Jan Witte duchs Ziel, Dirk und Kai belegen den 14. Besonders Stolz sind wir auf unsere Champs Eike und Georg, die trotz einer Kenterung einen hervorragenden 8. Platz belegen.
Das zweite Rennen ist von abnehmendem Wind geprägt, nach der ersten Runde muss ich sogar ins Vorschiff, wie so selten diese Saison. Wir haben trotzdem eine gute erste Runde gefahren, können unsere Position in dem abnehmendem Wind aber nicht halten. Wir werden langsam aber sicher durchgereicht und finishen nach einem spannenden Matchrace Finale mit Jan Witte als 45. auf einer auf 4 Runden verkürzten Bahn.
Am Ende des Tages stehen wir als 41. auf der Liste, sind damit viertbestes Deutsches Team hinter Eike und Georg (11.), Dirk und Kai (24.) und Peter und Ole.
Pech hatten Per und Henning, die im ersten Rennen reingeschleppt wurden und Paul und Björn, die sich im 2. Rennen den Mast wegen gebrochenem Vorstag gelegt haben.

Gruß
Jan Martin

 

Samstag, 11.09.2011

Moin Moin,

am Freitag sollten wir tatsächlich segeln. Zunächst. Der Wind war auf 15 Knoten gefallen, also sehr segelbar. Wir riggten unsere Boote auf, bekamen aber keine Freigabe zu Slippen wegen Nebel. Dann zog die Suppe auf und man konnte von einer Seite vom Bootpark die andere nicht mehr sehen. Also verbrachten wir noch ne Stunde im Neo, bis sie uns dann doch rausschickten. Ganz raus, bei abnehmendem Wind 45 min unter Spi.
So startete unser erstes WM Rennen 2011 bei wenig Wind, nachdem wir Tagelang wegen zuviel Wind nicht starten konnten. Das Problem dabei war, dass uns auf dem Weg nach draußen unsere T Foilverstellung gebrochen war und wir deswegen quasi mit angezogener Handbremse unterwegs waren. Dazu kommt unsere Schwäche bei Leichtwind.
Im dritten Anlauf mit Black Flag kamen wir dann relativ gut von der Linie weg, wurden aber an der Kreuz gnadenlos durchgereicht. das schlug natürlich auf die Stimmung an Bord, wenn man einfach nur hinterher fahren kann, um das Rennen zu beenden und weiß, das man nichts dagegen tun kann, langsam zu sein.
Wir sind das Rennen dann noch nach Hause gefahren, als 58. von 71 im Ziel.
Archie hat gewonnen, Eike und Georg gelang ein grandioser 10. Platz, die restlichen Deutschen fuhren eher hinten im Fled rum. Dementsprechend groß war dann auch die Motivation zum 2. Rennen. Der Wind nahm dabei immer weiter ab, und drehte um 30 grad, sodass nach der 1. Runde abgeschossen wurde. Pünktlich zum Reinfahren kehrte dann der Nebel zurück. Man konnte die Bote um einen herum nur erahen, aber die Engländer geleiteten uns sehr professionell mit vielen Motorbooten in den Hafen.
Gestern sollte dann das Prince of Wales Cup Rennen, also die Englische Meisterschaft stattfinden, das nicht in die WM Wertung eingeht. Aber Überraschung: Zuviel Wind.

Dieses ewige Warten zieht ganz schön an den Nerven, deswegen sind gestern Henning und Per und Eike und ich trotzdem segeln gegangen und hatten eine Menge Spaß in 25 Knoten Wind und flachem Wasser. Eigentlich wären die Bedingungen durchaus segelbar gewesen und unser Wettfahrtleiter in Sydney hätte bestimmt angeschossen, aber da kann man nix machen. Wir haben jedenfalls ein schönes Video gemacht.
Abends fand dann trotzdem die POW Cup Party statt, bei der es gutes Essen (In England!!!) und viele Freigetränke gab. Mit der Ansage von 40 Knoten Wind für heute artete der Abend ganz schön aus und entwickelte sich zur extrem wilden Party, die sich später ins Ronde-Vouz, den angesagtesten Nachtclub der Stadt verlagerte, als der Club dichtmachen wollte.
Nach einem dementsprechend schönen Morgen kamen wir am Club an und es pustete wie erwartet ordentlich. Zuerst kuckten wir im Segelclub auf Leinwand die Americas Cup Rennen aus Plymouth, danach zogen die Engländer ein Spiel vor, dass eigentlich für den Layday geplant war: Einen Floßbauwettbewerb!
Die Regeln sind einfach: Teams werden gelost, man bekommt 3 Sperrholzplatten, ein 2m Brett und 5m leiste. Daraus sollte man ein Boot bauen, das fähig ist, eine Person um einen Kurs durch den Hafen zu tragen. Wir waren im Team mit 2 Kanadiern und bauten eine Art Fass, auf das sich 2 Leute rauflegen sollten und mit den Füßen paddeln. Siehe Bilder.
Um ehrlich zu sein hat das nicht sonderlich gut funktioniert, aber wir hatten unseren Spaß dabei.
Heute abend habe ich für unser Haus Lasagne gemacht und nun kucken wir noch einen absolut hervorragenden Film und gehen früh schlafen.
Morgen wird wahrscheinlich wieder nicht gesegelt.

Gruß
Jan Martin

Donnerstag, 09.09.2011

Moin Moin,

das wichtigste zuerst: Wir waren seglen! Nachdem gestern nach der TeamWM auch das Practice Race wegen zuviel Wind abgesagt wurde, waren wir heute wirklich alle heiß auf Segeln. Da störte es auch kaum, dass die Portland Bay immernoch mit weißen Schaumköpfen überzogen war. Das Wasser hat hier übrigens eine wunderschön türkise Fare, nur leider dazu unpassende Temperaturen.
Der Wind steht genau ablandig vom Slip, was das Abfallen schwierig macht, ohne mit Schwung wieder aufzuslippen. Eike und ich lösten dies Elegant durch Luvkrängung zum Abfallen. (Mehr Luvkrängung, noch mehr, noch mehr, ZUVIEL!!! *batz*) Danach konnten wir uns auf dem liegenden Rumpf tanzend (!) ein paar Meter nach Lee treiben lassen, dann aufrichten und lossegeln. Erstes cooles Foto der WM.
Danach ging der eigentliche Weg zur Startlinie los und schon beim Abfallmanöver hob ich elegant vom Rack ab und musste von meinem Steuermann wieder eingefangen werden, also nix passiert und Spisetzen. Gefühlte drei Minuten und eine kräftige Salzwassernasenspülung später konnten wir auch schon wieder bergen um noch eine Runde zu fahren, bevor das Rennen losging. Auf dem Weg hoch kam uns kenternderweise unsere Deutsch Amerikanische Teamkollegen Jörn Schulze und Paul Galvez entgegen

die zwar beide hervorragende Segler sind, aber noch unter gewissen Abstimmungsschwierigkeiten litten.

Außer ihrem Stolz ging bei ihren Kenterarien aber zum Glück nichts zu Bruch.
Apropos Kentern: Wir waren heute mit 4 Kenterungen eins der trockeneren Teams, Tobi und Bettina, unsere erklärte Lieblingsgegner spielten Fliegenklatsche.
Von Insgesamt 70 Teilnehmern fuhren zwischen 20 und 30 in der Nähe der Linie herum, weitere 20 lagen über die Bay verteilt und spielten auch Fliegenklatsche, der Rest war entweder dringeblieben oder schon reingeschleppt.
Die Rettungsboote waren also voll ausgelastet und die Wettfahrtleitung hat dann auch auf den Start verzichtet und uns wieder nach Hause geschickt.
Ein klein bisschen enttäuschend für Eike und mich, da wir uns schon auf eine gute Platzierung durch reines Ankommen gefreut hatten.
Auf de Weg in den Hafen kamen uns dann unsere Champs Eike Dietrich und Georg Borkenstein unter Spi entgegen. Das war natürlich eine Herrausforderung die wir nicht ausschlagen konnten, und so hängten wir uns dran, bis ein wütendes Rettungsboot uns mit Händen und Füßen bedeutete reinzufahren.
Die Wettfahrtleitung ließ die Startbereitschaft noch 2 Stunden oben, in denen aber schon fast alle duschen gingen.
Morgen sind dafür 2 Rennen angesetzt, da am WE wieder ordentlich Druck kommen soll.

Jetzt muss ich doch noch mal ein paar Worte zu den Ereignissen von Dienstag Nacht loswerden, auch bekannt unter "Team Race Party".
Dieses Jahr wurde wesentlich mehr Wert auf Interessante Spiele als auf großen Mengen Freibier gelegt.
Bei dieser traditionellen Veranstaltung muss sich jede Nation ein Spiel ausdenken, das dann alle anderen Teams oder deren Vertreter gegeneinander spielen müssen.
Da ich irgendwie einen gewissen Bekanntheitsgrad international habe und neuer deutscher KV Präsident bin, wurde ich zu fast allen Spielen herangezogen.
Einer der Höhepunkte des Abends waren sicher Sängerwettstreit mit Liedern "von Nationaler Bedeutung". Unser Team musste DJ Ötzis "Ein Stern" vortragen, die Engländer die Spicegirls mit "Wannabe".
Der Andere war ein Duell zwischen mir und dem Amtierenden Weltmeister Archie in der Disziplin "Jungle Fire". Dazu kann ich hier nichts schreiben, aber ich versichere euch, es ist schmerzhaft und gefährlich. Übrigens habe ich gewonnen! Gegen Archie!
Insgesamt ein legendärer Abend, über den man noch lange sprechen wird.

Morgen 2 Rennen, und dann mehr von mir!

Gruß
Jan Martin

Dienstag, 06.09.2011

Moin Moin,
 
hier ist Wind - viel Wind. Gestern sollten die Teamraces starten aber bei 28-35 Knoten
wollten sie aus guten Gründen nicht anschießen.
Teamrace bei Überlebensbedingungen war ihnen wohl zu riskant.
Wir waren dann mit ein paar Leuten auf der Halbinsel Portland, sind die Klippen entlanggewandert und haben Wellen gekuckt.
Später sind wir in einem Urenglischen Pub eingekehrt um Pommes mit Käse und "warm englisch beer" zu genießen.
Als Abendprogramm war dann ein "Team Bowling" mit Freibier und anschließend waren wir im heißesten Nachtclub von Weymouth, was allerdings nicht wirklich viel aussagt. Insgesamt ein sehr lustiger Abend.
Heute morgen wurden wir vom Heulen des Windes um unser Haus geweckt und damit war klar, das kein Team Race stattfindet.
Es ballert hier mit 60 Knoten auflandig und die Brandung ist einfach enorm.
Ich habe ein paar Fotos gemacht, aber natürlich kommt die Realität mal wieder überhaupt nicht rüber.
Ein Goßteil der Flotte und wir haben gestern noch unsere Masten runtergenommen, damit die Boote nicht durch die Gegend fliegen.
Die Academy war dann heute moren auch ein Schlachtfeld aus umgefallenen Booten. Hier liegen Knäule von Lasern, 470ern und 420ern rum und die Securities sind am Aufräumen. Man kann kaum etwas sehen durch die viele Gischt von der Brandung in der Luft.

Heute Abend ist die berühmte und Legendäre Team Racing Party angesetzt, bei der jede Nation eine Präsentation oder ein Spiel ausrichtet.
Es gibt also keinen Team Race Weltmeister, dafür wird die Party aber entschädigen. Immerhin geht es bei der Team WM hauptsächlich darum.

Hier noch die Website des Clubs, mit einer Webcam in den Boatpark:

http://www.wpnsa.org.uk/

Also eigentlich nix neues, demnächst mehr!

Gruß
Jan Martin

Sonntag, 04.09.2011

Moin Moin,

wir sind nach einer langen und aufregenden Reise heil in England angekommen.
Dabei haben wir gelernt, dass: Autobahnen in Belgien manchmal im Wald enden, Fähren bei Nebel langsamer fahren und das die Engländer im Auto lange nicht so flott unterwegs sind wie im Boot.

Unser Club hier ist die "Weymouth Portland Sailing Academy", die britische Olympia Schmiede. Also quasi Kiel Schilksee in geil. Es ist ein risieges Areal, alles modern und gepflastert, mit großen, breiten Betonsliprampen, veiel Platz, Wasser und Strom an den Bootsplätzen, 6 großen Umkleideräumen und Duschen und so ziemlich allem, was man sich noch wünschen kann.
Hier ist reger Betrieb mit vielen Schulungen für 29er, Laser, 470er etc aller Leistungsgruppen. Außerdem gibt es im Erdgeschoss eine ganze Menge Schulungsräume für verschiedene Elemente des Segelns u.a. mit Videowänden.
Langsam bekommt man einen Eindruck, woraus die Engländer ihre seglerische Überlegenheit beziehen, so konsequent wie das hier unterrichtet wird hab ich das noch nirgends gesehen.

Eike und ich haben schon zwei Trainingsschläge unternommen, und fühlen uns seitdem sehr unvorbereitet. Das Revier ist der Wahnsinn, da wurde uns nicht zu viel versprochen. Der Wind kommt über eine schmale Halbinsel vom Meer, ist also sehr konstant und kräftig. Gestern hatten wir gute 4, heute gute 6 bft Wind, ansage ist zunehmend.

Da wir fast unser ganzes Setup geändert haben mit neuem Riggtrimm, neuem Schwert und seit heute morgen auch nagelneuem (!) Spi, haben wir noch viel einzustellen. Insgesamt ist das Boot mit den neuen Segeln noch nie so schön gelaufen, aber der gesteigerte Druck ist im Starkwindbereich durchaus anstrengender und Eike kämpft mit dem stark veränderten Steuerverhalten durch das neue Schwert. Überhaupt rennt das Boot gradeaus wie Sau, aber an die Manöver müssen wir uns noch gewöhnen.

Morgen starten schon die Teamraces, bei denen jeweils 4 Boote einer Nation gegeneinander um das beste Gesamtergebnis kämpfen.

Die Konkurrenz ist übrigens enorm hoch, alles was Rang und Namen hat ist am Start. Und sehr wenig anderes.
Wir sind mal durch die Mailingliste gegangen und sind auf nicht viele Schlagbare Boote gekommen.
Als ambitioniertes, aber realistisches Ziel haben wir uns mal den 45. Platz gesteckt.
Mal sehen, wie wieit wir davon entfernt sind.
Insgesamt haben wie viel Aufwand und Geld investiert in den letzten 4 Wochen und sind mit komplett fast neuen Segeln und dem Schwert wohl schneller denn je. Mal sehen, wie schnell die anderen sind.

Eike braucht meine Hilfe beim Boot, also morgen mehr!

Gruß
Jan Martin

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